Wichtige Begriffe zum Thema Kinderwunsch und dem Ritex Kinderwunsch Gleitmittel

Akrosomenreaktion - Um in die Eizelle zu gelangen, muss das Spermium zunächst die schützende Eihülle aufbrechen. Dazu setzt das Spermium Verdauungsenzyme frei  - diesen Vorgang bezeichnet man als Akrosomenreaktion.¹ Die Akrosomenreaktion wird sowohl durch Eihüllen-Proteine als auch durch das Hormon Progesteron ausgelöst, das von Zellen ausgeschüttet wird, die die Eizelle umgeben. Da ein Spermium die Akrosomenreaktion nur ein einziges Mal ausführen kann, ist es für die Befruchtung sehr wichtig, dass sie erst in der Nähe der Eizelle ausgelöst wird.

 

 

Befruchtung - Zu einer Befruchtung kommt es, wenn ein gesundes Spermium auf eine gesunde Eizelle trifft und durch die Eizellwand in sie eindringen kann. Dafür ist sowohl die Akrosomenreaktion als auch die Hyperaktivierung des Spermiums notwendig. Die Chromosomen von Spermium und Eizelle verschmelzen zu einem neuen Chromosomensatz, wodurch die Befruchtung der Eizelle abgeschlossen ist. Die befruchtete Eizelle (auch Zygote genannt) beginnt etwa 24 Stunden nach dem Ereignis mit der Zellteilung.

 

 

Chemotaxis - Als Chemotaxis bezeichnet man die Navigation von Zellen oder Organismen entlang von chemischen Wegweisern, sogenannten Lockstoffen. Das Hormon Progesteron, das von Zellen ausgeschüttet wird, die die Eizelle umgeben, dient vermutlich als Lockstoff für Spermien. Es gibt Hinweise darauf, dass Männer, deren Spermien nicht auf Progesteron reagieren, unfruchtbar sind. Die Spermien reagieren jedoch nicht nur auf Progesteron sondern auch auf andere z. T. körperfremde Stoffe und Stoffgemische. Es ist bekannt, dass (zufällig) hormonell wirksame Alltagschemikalien die Wirkung der natürlichen Lock- und Botenstoffe auf die Spermien beeinträchtigen können.4

 

 

Eizelle - Eine Eizelle ist der Träger der weiblichen Erbinformationen, die für die Empfängnis eines Kindes benötigt werden. Sie ist mit einem Durchmesser von 0,11 bis 0,14 mm gerade noch mit dem bloßen Auge zu erkennen. Die (unreifen) Eizellen sind bereits bei der Geburt in den Ovarien der Eierstöcke angelegt.  Bei einer geschlechtsreifen, gesunden Frau reifen pro Zyklus mehrere Eizellen zur Befruchtungsfähigkeit heran, wobei gewöhnlich nur eine einzige Eizelle zuletzt auch wirklich "springt". 

 

 

Fruchtbare Tage - Pro Zyklus besitzt eine Frau ca. 6 Tage in denen sie fruchtbar ist: 4 Tage vor dem Eisprung (da Spermien in etwa 4 Tage lang im Vaginaltrakt lebensfähig sind), dem Tag des Eisprungs selbst und einen Tag nach dem Eisprung (da die Eizelle ca. 24 Stunden im Eileiter unterwegs und damit für die Spermien erreichbar ist). Die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Befruchtung besteht am Tag des Eisprungs.

Lebensdauer der Spermien, Erreichbarkeit der Eizelle

 

 

Fruchtbarkeit - Die Fruchtbarkeit setzt sowohl beim Mann als auch bei der Frau mit der Geschlechtsreife ein. Während ein Mann seine Fruchtbarkeit auch bis ins höhere Alter bewahrt, ist bei einer Frau die Fruchtbarkeit bis auf die Zeit der Menopause (ca. ab dem 50. Lebensjahr) begrenzt. Statistisch gesehen ist die Fruchtbarkeit einer Frau zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr am höchsten. Ab dem 30. Lebensjahr fällt die Fruchtbarkeit einer Frau rapide ab. Als Daumenregel gilt, dass eine Frau mit 35 Jahren nur noch halb so fruchtbar wie mit 25 Jahren und eine Frau mit 40 Jahren nur noch halb so fruchtbar wie mit 35 Jahren ist.6 Durch individuelle Faktoren kann die Fruchtbarkeit sowohl beim Mann als auch bei der Frau jedoch erheblich vom Durchschnitt abweichen.

 

 

Hormonähnliche Stoffe - Hormonähnliche Stoffe bzw. Chemikalien mit Hormonwirkung imitieren die Wirkung der körpereigenen Hormone oder beeinträchtigen deren Funktion. Studien belegen, dass ca. 30% der am häufigsten auftretenden hormonähnlichen Stoffe (z. B. gewisse Parabene und Phtalate) die Spermienfunktion stören können. Es wird daher vermutet, dass die allgemein beobachtete Abnahme der Fertilität in den Industrienationen auch auf die Verbreitung von hormonähnlichen Stoffen zurückzuführen ist.4

 

 

Hyperaktivierung - Gemeint ist hier die Hyperaktivierung der Spermien. Das Schwimmverhalten von Spermien ist u. a. von der Konzentration des Hormons Progesteron abhängig. Je höher dessen Konzentration ist, desto schneller und gerader schwimmt das Spermium. Ab einer gewissen Konzentration wird das Spermium hyperaktiv (schwimmt also mit maximaler Geschwindigkeit vorwärts) und es wird die Akrosomenreaktion ausgelöst. Sowohl die Hyperaktivierung als auch die Akrosomenreaktion sind für eine Befruchtung der Eizelle notwendig.

 

 

Integrität der DNS - Eine wichtige Voraussetzung für die Zeugung eines gesunden Kindes ist die Unversehrtheit der Erbinformationen von Spermium und Eizelle, was auch als "Integrität der DNS" bezeichnet wird. In unserem Fall ist insbesondere die DNS-Integrität des Spermiums gemeint, da dieses ggf. in Kontakt mit von außen eingebrachten (externen) Gleitmitteln kommt. Die befruchtungsfähige/ befruchtete Eizelle bewegt sich hingegen nur bis in die Gebärmutter und tritt daher mit externen Gleitmitteln nicht in Kontakt.

Die Untersuchung der DNS-Integrität ist von Bedeutung, da die Funktionsfähigkeit eines Spermiums nicht mit der Unversehrtheit der Erbinformationen zusammenhängt: Es ist daher möglich, dass augenscheinlich normale Spermien beschädigte Erbinformationen in sich tragen und damit für die Zeugung eines gesunden Kindes ungeeignet sind.7


In vitro - Die Nachahmung und Untersuchung von organischen Prozessen unter Laborbedingungen wird als "in vitro" bezeichnet (im Gegensatz dazu bezeichnet man die Untersuchung von Prozessen an lebenden Organismen als "in vivo"). In-vitro-Studien werden zumeist deshalb durchgeführt, um einzelne Prozesse gezielt untersuchen zu können, was aufgrund der komplexen Bedingungen in vivo oftmals nicht möglich ist.


Konservierungsstoffe - Konservierungsstoffe werden eingesetzt, um Krankheitserreger wie Viren, Bakterien, Pilze usw. abzutöten. Auch bei vielen Gleitmitteln ist der Einsatz von Konservierungsstoffen notwendig, damit sie nicht kurzfristig verderben. Das Problematische bei vielen Konservierungsmitteln ist, dass sie auch eine schädigende Wirkung auf Spermien entfalten können, wodurch die Fortbewegungsgeschwindigkeit oder die Lebensdauer der Spermien eingeschränkt wird.

 

Lubrikation - s. Vaginallubrikation


Motilität - Die Motilität bezeichnet die Fähigkeit z. B. von Spermien, sich aus eigener Kraft fortzubewegen. Von progressiver Motilität wird dann gesprochen, wenn sich die Spermien gezielt in eine Richtung bewegen.


Morphologie - Hierbei handelt es sich um das äußere Erscheinungsbild der Spermien, also der Form des Kopfes, der Geißel usw.. Veränderungen in der Morphologie können z. B. dazu führen, dass Spermien sich nur eingeschränkt fortbewegen können.

 

 

Nicht-fruchtbare Tage - Jede Frau ist pro Zyklus nur an den fruchtbaren Tagen in der Lage, schwanger zu werden. Alle weiteren Tage des Zyklus werden daher als nicht-fruchtbare oder als unfruchtbare Tage bezeichnet.

 

 

Osmolalität - Die Osmolalität bzw. der osmotische Druck gibt in diesem Zusammenhang an, ob einer Zelle durch die Umgebung Flüssigkeit entzogen oder hinzugefügt wird. Für Spermien ist dieser Wert besonders wichtig, da sowohl eine zu hohe als auch eine zu geringe Osmolalität dazu führt, dass die Spermien inaktiv werden oder sogar absterben.²

 

 

Orgasmus - Der Orgasmus wird auch als Höhepunkt beim Geschlechtsakt bezeichnet und erzeugt beim Mann in der Regel eine Ejakulation. Bei der Frau erzeugt ein Orgasmus eine Vielzahl von Reaktionen wie z. B. Kontraktionen der Gebärmutter und Ausschüttung verschiedener Sexualhormone. Auch wenn der weibliche Orgasmus im Gegensatz zur männlichen Ejakulation für die Empfängnis nicht notwendig ist, wird davon ausgegangen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis dadurch verbessert wird.

 

 

pH-Wert - Der pH-Wert gibt an, ob eine Umgebung sauer, neutral oder basisch ist. Studien haben gezeigt, dass Spermien in einem pH-Bereich von 7,2 bis 8,5 die beste Aktivität entfalten.5 Der vaginale pH-Wert beträgt im Allgemeinen ca. 4 und ist damit deutlich zu sauer für Spermien. Während der fruchtbaren Tage erhöht sich der vaginale pH-Wert jedoch auf ca. 7, sodass sich eine spermienfreundliche Umgebung einstellt.

 

 

Spermium - Ein Spermium ist der Träger der männlichen Erbinformationen, die für die Empfängnis eines Kindes benötigt werden. Ein Spermium ist ca. 0,06 mm lang und damit deutlich kleiner als eine Eizelle. Es besteht aus Kopf, Mittelstück und Schwanz/ Geißel. Ab der Geschlechtsreife bis ins hohe Alter entstehen in den Hodenkanälen der Testikel Spermien. Pro Tag kann ein Mann bis zu 100 Mio. Spermien produzieren. Das sind pro Sekunde über 1100 Spermien.

 

 

Spermiogramm - Nach den Richtlinien der WHO aus dem Jahr 2010 werden folgende Standardparameter als "normal" bei einem Spermiogramm angesehen:

  • Ejakulatvolumen 1,4-1,7 ml
  • Spermienanzahl größer 39 Millionen
  • Progressive Motilität bei mindestens 32% der Spermien
  • Normale Morphologie bei 3,0-4,0% der Spermien
  • Vitale Spermien mit einem Anteil von mindestens 50%

Neuere Studien deuten jedoch darauf hin, dass das durchschnittliche Spermiogramm innerhalb der Industrienationen heutzutage eher unterhalb dieser Werte liegt.

 

 

Vaginallubrikation - Die Vaginallubrikation, auch Scheidenfeuchtigkeit genannt, erleichtert u. a. das Eindringen des Penis während des Geschlechtsaktes. Die Menge der Lubrikation ist von vielen Faktoren wie z. B. sexueller Erregung, Ernährung, Wohlbefinden bzw. Stress und Hormonstatus abhängig. Mangelnde Lubrikation kann dazu führen, dass der Geschlechtsakt für beide Partner unangenehm und dadurch die Orgasmuswahrscheinlichkeit reduziert wird. Darüber hinaus besteht bei der Frau die Gefahr, dass die Vaginalschleimhaut verletzt wird und sich dadurch die Infektionsgefahr im Vaginalbereich erhöht.8

 

 

Viskosität - Je höher die Viskosität einer Flüssigkeit ist, desto zähflüssiger ist sie. Spermien bewegen sich am besten in der Viskosität des Zervixschleims der fruchtbaren Tage.³ Ist die Viskosität höher, werden die Spermien gebremst und benötigen mehr Energie für die Fortbewegung. Ist die Viskosität niedriger, beginnen die Spermien zu "zappeln", wodurch sie ebenfalls mehr Energie als normal verbrauchen.

 

 

Vitalität - Bei der Vitalität wird die Anzahl bzw. der Anteil an lebenden Spermien angegeben.

 

 

Zervixschleim - Der Zervixschleim befindet sich im Gebärmutterhals und dient während der unfruchtbaren Tage als Verschluss der Gebärmutter gegenüber Keimen aber auch gegenüber anderen Fremdkörpern wie z. B. Spermien. An den fruchtbaren Tagen verändert der Zervixschleim jedoch deutlich seine Konsistenz und wird für Spermien durchlässig. Aus diesem Grund kann man mit Hilfe des Zervixschleims auch auf die fruchtbaren Tage schließen: Kann man mit dem Zervixschleim 6 - 15 cm lange Fäden ziehen ("Spinnbarkeit"), befindet sich die Frau in den fruchtbaren Tagen.

 

 

Literaturverzeichnis

  1. Konservierungsstoffe, Pestizide, UV-Blocker und Co.: Wie Alltagschemikalien die Spermienfunktion beeinträchtigen, C. Schiffer, A. Müller, T. Stünker, Jahresbericht 2014 Forschungszentrum CAESAR
  2. Role of seminal osmolarity in the regulation of human sperm motility, M. Rossato et al., international journal of andrology, 25:230–235 (2002)
  3. Spermatozoa scattering by a microchannel feature: an elastohydrodynamic model, T.D. Montenegro-Johnson et al., royal society open science
  4. Aktenzeichen XY gelöst: Die Progesteronwirkung auf menschliche Spermien, T. Strünker et al., Jahresbericht 2010 Forschungszentrum CAESAR
  5. Effect of vaginal lubricants on sperm motility and chromatin integrity: a prospective comparative study, A. Argwal et al., fertility and sterility Vol 89 2008
  6. Problematik und Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, J.-C. Spira, Gynäkologie 2008
  7. Human sperm DNA integrity in normal and abnormal semen samples and its correlation with sperm characteristics, A.C. Varghese, Blackwell Verlag GmbH 2009
  8. To Lube or Not to Lube: Experiences and Perceptions of Lubricant Use in Women With and Without Dyspareunia, S. Boyer and C.F. Pukall, journal of sexual medicine 2011